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Echotermine - ARCHIV

23.10.2012, 19:00

Im Bann der Schattenjahre

der echomedia buchverlag lädt Sie herzlich ein zur Präsentation des Bildbandes "Im Bann der Schattenjahre. Wien in der Zeit der Wirtschaftskrise 1929 bis 1934" von Michaela Maier & Wolfgang Maderthaner

Wann: Dienstag, 23. Oktober 2012,
Beginn: 19:00 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)
Wo: Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1010, Minoriten Platz 1)

Um Anmeldung wird gebeten unter: buchverlag@echo.at

Zum Buch:

Mit dem Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems im Oktober 1929 trat die Welt in die Jahre der Großen Depression ein, der bis dahin schwersten und folgenreichsten Krise in der neueren Geschichte. Niemals zuvor hatte eine Wirtschaftskrise derart fatale soziale, kulturelle und politische Folgewirkungen nach sich gezogen. In sensationellen, größtenteils erstmals publizierten Bildern dokumentiert der vorliegende Band das Wiener Stadtleben dieser Zeit in seiner gesamten Bandbreite. Die Abbildungen entstammen zur Gänze dem historischen Foto- und Bildarchiv der Arbeiter-Zeitung im Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung. Ein Gutteil davon wurde von Amateuren für den ständigen Fotowettbewerb der Wochenillustrierten Der Kuckuck aufgenommen (erschienen 1929–1934 im Vorwärts-Verlag), wobei der Fotosektion Meidling des Touristenvereins Naturfreunde ein besonderer Stellenwert zukommt. 

Die Autoren:

Mag. Michaela Maier Geboren 1963 in Wien, Kulturwissenschafterin, Geschäftsführerin des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung. Kuratorin verschiedener Ausstellungen. Zuletzt dreijähriges FWF-Forschungsprojekt zu Emma Adler: Eine Suche nach der verlorenen Zeit. Emma Adlers Selbstzeugnisse und Ich-Dokumente.
Dr. Wolfgang Maderthaner Geboren 1954 in Waidhofen/Ybbs, Univ.-Doz., Historiker und Kulturwissenschafter. Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Kultur- und Sozialgeschichte, Urban Studies und Urbane Anthropologie, Massen- und Popularkultur, Cultural Studies/Historische Kulturwissenschaften, Theorie der Moderne, Fordismus/Postfordismus, Wissenschaftstheorie und Erkenntnistheorie der Geschichtswissenschaften.

Vorwort von Dr. Michael Häupl:

Als im September 2008 mit dem Scheitern des New Yorker Investmenthauses Lehman Brothers die globale Finanzarchitektur aus ihren Fugen geriet und die Finanzwelt vor dem Abgrund stand, traten einige der führenden europäischen Ökonomen mit einer aufsehenerregenden Stellungnahme an die Öffentlichkeit. Der gegenwärtige Zusammenbruch der Finanzmärkte, so die Wirtschaftswissenschafter, erinnere fatal an die dunklen Jahre der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und deren bekannte politische Konsequenzen. Es sei keine Übertreibung davon auszugehen, dass genau dies wieder passieren könne, wenn nicht die internationale Staatengemeinschaft unverzüglich massive öffentliche Investitionen tätige und Konjunkturprogramme in großem, bisher nicht gekannten Ausmaß aufzulegen beginne, erklärten die Experten. Die Ökonomen wussten, wovon sie sprachen. Ausgehend von der Wall Street war die Weltwirtschaft im Herbst 1929 in eine folgenschwere Rezessionsphase eingetreten. Ganze ehemals blühende Industrieregionen verarmten, Massenarbeitslosigkeit und soziales Elend bestimmten nunmehr den Alltag in den USA und in Europa. Die dramatische Situation wurde noch dadurch verschlimmert, dass die Regierenden der freien Welt beinahe ausnahmslos jeglichen staatlichen Eingriff in den Wirtschaftsablauf ablehnten. Müsse doch, so die Theorie, jeder noch so geringe Eingriff in das Wirtschaftssystem zur Verzerrung der Gesetze des freien Marktes und damit zur weiteren Verschärfung des Krisenszenarios führen. In den USA war es Franklin D. Roosevelt, der sich ab März 1933 mit einem aktiven staatlichen Krisenbekämpfungsprogramm, dem New Deal, solch fataler Logik widersetzte. Und in Europa war es vor allen anderen die Kommunalpolitik des Roten Wien, die konkrete Alternativen zu den herrschenden sozialen Missständen dieser Jahre aufzeigte und auch umsetzte. Im Besonderen erwies sich der bereits seit 1923 massiv betriebene soziale Wohnbau als voller Erfolg. In weiterer Folge wurde, unter den Vorzeichen der Großen Depression, das Wiener kommunale Reformprogramm zu einem Konzept zur Umformung der urbanen Infrastruktur weitergeführt. Es sind die Momentaufnahmen aus diesem Roten Wien, die in dem vorliegenden Band beeindrucken – wahre Meisterwerke, aufgenommen von Amateuren aus den Reihen der Arbeiterfotografie und heutzutage archiviert im Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung. Aber nicht alleine die Darstellungen der großen baulichen Monumente aus jener Zeit sind von großer Überzeugungskraft; am meisten berühren wohl die fotografischen Überlieferungen jener raren Momente von Glück und Zukunftsgewissheit inmitten des alltäglichen Überlebenskampfes. Das so überaus beeindruckende sozialdemokratische Projekt ist nach 1945 mit unverminderter Kraft und Vision wiedererstanden und hat unsere Stadt bis auf den heutigen Tag unverkennbar geprägt.
Dr. Michael Häupl Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

 

Editorial:

Niemals zuvor in der neueren Geschichte hatte eine Wirtschaftskrise derart fatale soziale Folgewirkungen und kulturelle Verwerfungen nach sich gezogen wie die Große Depression der frühen 1930er Jahre. In packenden und überaus intensiven Bildern dokumentiert der vorliegende Band das Wiener Stadtleben dieser Zeit in seiner gesamten Bandbreite: die schweren politischen Spannungen und Auseinandersetzungen ebenso wie die unspektakulären Überlebensstrategien der kleinen Leute; Revolte wie Resignation; das herausragende kommunale Experiment der Wiener Stadtverwaltung gleichermaßen wie die alltäglichen Leiden und kleinen Freuden einer verarmenden Bevölkerung; große Ereignisse aus Kultur und Sport wie auch die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit der dauerhaft Arbeitslosen; die neue Kultur des befreiten Körpers wie die zunehmende Militarisierung der Massen. Die Abbildungen entstammen zur Gänze dem historischen Foto- und Bildarchiv der Arbeiter-Zeitung im Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung. Ein Gutteil davon wurde von Amateuren für den ständigen Fotowettbewerb der Wochenillustrierten Der Kuckuck aufgenommen (erschienen 1929–1934 im Vorwärts-Verlag), wobei der Fotosektion Meidling des Touristenvereins Naturfreunde ein besonderer Stellenwert zukommt.
Wien, Juni 2012

„Im Bann der Schattenjahre. Wien in der Zeit der Wirtschaftskrise 1929 bis 1934“ von Michaela Maier & Wolfgang Maderthaner, erschienen im echomedia buchverlag, ist ab 16. Juli 2012 im (Online-) Buchhandel zum Preis von € 29,90 erhältlich (ISBN 978-3-902672-85-8, Fotoband in s/w, geb., 240 S.)

Der vorliegende Band ist der zweite in einer Reihe. Band 1: „Wie Phönix aus der Asche. Wien von 1945 bis 1965 in Bilddokumenten“, herausgegeben von Ferdinand Opll, mit Beiträgen von Margit Altfahrt, Wolfgang Maderthaner und Michael Wenusch. (ISBN 978-3-902672-28-5,Fotoband in s/w, geb., 240S., € 29,90)

Rückfragehinweis und Fotos:
echomedia buchverlag
Mag. Brigitte Lang
Tel.: (+43 1) 524 70 86-542
E-Mail: buchverlag@echo.at
www.echomedia-buch.at  

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